Übergewicht bei Pferden – eine unterschätzte Herausforderung

Ein unterschätztes Gesundheitsproblem in deutschen Ställen

Studien zeigen: Bis zu 56 % der Pferde in Deutschland gelten als übergewichtig, rund 20 % sogar als fettleibig (adipös). Diese Zahlen stammen aus einer Untersuchung der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU, 2022) und verdeutlichen, dass Adipositas längst kein Einzelfall mehr ist.
Die Ursachen sind meist hausgemacht: zu energiereiches Futter, Bewegungsmangel und falsche Einschätzung des Idealgewichts.


Wie Übergewicht beim Pferd entsteht

Ein Pferd ist von Natur aus ein Dauerfresser mit hoher Bewegungsaktivität. In modernen Haltungsformen ist das Gegenteil häufig der Fall:

  • Zu viel Energieaufnahme: Kraftfutter, energiereiches Heu, Leckerlis.
  • Zu wenig Bewegung: Boxenhaltung, wenig Weidegang, seltene Arbeitseinheiten.
  • Falsche Futtermenge: Viele Pferdebesitzer unterschätzen, wie gering der tatsächliche Energiebedarf ist.

Ein 600 kg schweres Warmblut benötigt im Erhaltungsbedarf etwa 65 MJ verdauliche Energie pro Tag – das entspricht rund 8–10 kg Heu, aber ohne zusätzliches Kraftfutter (nach GfE 2014).


Folgen von Übergewicht beim Pferd

Übergewicht ist kein Schönheitsproblem, sondern eine chronische Belastung für den gesamten Organismus.
Die wichtigsten Folgen sind wissenschaftlich belegt:

  • Belastung von Gelenken, Sehnen und Bändern → erhöhtes Risiko für Arthrose und Lahmheiten
  • Insulinresistenz und Equines Metabolisches Syndrom (EMS) → erhöhtes Risiko für Hufrehe
  • Eingeschränkte Thermoregulation → Kreislaufprobleme bei Hitze
  • Reduzierte Leistungsfähigkeit und Motivation → verringertes Wohlbefinden

Eine britische Studie (Wyse et al., Equine Veterinary Journal, 2008) zeigte, dass übergewichtige Pferde 3,7-mal häufiger an Hufrehe erkranken als normalgewichtige.


Wie der Pferdephysiotherapeut beim Abnehmen unterstützt

Ein physiotherapeutisch begleitetes Trainingskonzept ist entscheidend für den sicheren und nachhaltigen Gewichtsabbau.
Als spezialisierter Pferdephysiotherapeut unterstützt rta:pferdephysio Pferd und Besitzer mit einem evidenzbasierten Ansatz:

1. Bewegungsanalyse

Zu Beginn steht eine funktionelle Analyse von Gangbild, Muskulatur und Gelenkbeweglichkeit. Dabei werden asymmetrische Bewegungen und muskuläre Dysbalancen identifiziert, die beim Training berücksichtigt werden müssen.

2. Individuell angepasster Trainingsplan

Gezieltes, gelenkschonendes Training:

  • Langer Schritt am Hang oder im Gelände
  • Stangenarbeit zur Aktivierung der Rumpfmuskulatur
  • Intervalltraining im Trab zur Fettverbrennung
  • Progressive Steigerung von Dauer und Intensität

Ziel: Kontinuierlicher Muskelaufbau bei gleichzeitigem Fettabbau, ohne Überlastung der Strukturen.

3. Manuelle und elektrische Therapien

Massagen, TENS/NEMS und Dehnungsübungen fördern die Durchblutung, lösen Verspannungen und unterstützen die Regeneration nach dem Training.

4. Regelmäßige Erfolgskontrolle

Die Kombination aus Messung des Body Condition Scores (BCS), Fotodokumentation und Bewegungsbeobachtung ermöglicht eine objektive Fortschrittskontrolle.


Was Pferdebesitzer tun können

  • Raufutterqualität prüfen: Heu analysieren lassen, Zuckergehalt < 10 %
  • Kraftfutter reduzieren oder streichen
  • Bewegung täglich einplanen, auch ohne Reiten
  • Trainingstagebuch führen
  • Langsam abnehmen lassen: Max. 0,5–1 % Körpergewicht pro Woche

Langfristig ist entscheidend, das Pferd nicht „auf Diät“ zu setzen, sondern Fütterung, Haltung und Bewegung dauerhaft in Einklang zu bringen.


Übergewicht beim Pferd ist weit verbreitet – und gefährlich. Doch mit dem richtigen Wissen, konsequenter Fütterungssteuerung und physiotherapeutischer Begleitung lässt sich das Risiko für Stoffwechselerkrankungen und Gelenkprobleme deutlich senken.
Ein durchdachtes, strukturiertes Training unter physiotherapeutischer Anleitung ist der Schlüssel, damit das Pferd gesund, beweglich und leistungsfähig bleibt.


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